Dr. Laura Rivas Gagliardi
Wissenschaftliche Mitarbeiterin
Anschrift:
Portugiesisch-Brasilianisches Institut
der Universität zu Köln
Albertus-Magnus-Platz
50923 Köln
Raum: 1.305 (Philosophikum)
E-Mail: lgagliar(at)uni-koeln(dot)de
Telefon: +49( 0) 221 470-3008
Sprechstunde: Vereinbarung per E-mail
Sommersemester 2026: Di 15 - 16 Uhr
Vita
Laura Gagliardi studierte Portugiesisch und Französisch an der Universität von São Paulo (USP), wo sie 2007 ihr Magisterstudium abschloss. Bereits während des Studiums, von 2002 bis 2006, erforschte sie mit einem Stipendium der staatlichen Forschungsstiftung São Paulo (Fapesp) die Liebeslyrik des brasilianischen Dichters Carlos Drummond de Andrade. Nach ihrem Umzug nach Deutschland setzte sie ihre akademische Laufbahn an der Freien Universität Berlin fort, wo sie 2010 den Master in Angewandter Literaturwissenschaft erwarb. Parallel zu ihrem Studium sammelte sie erste berufliche Erfahrungen als Lektorin und Übersetzerin.
Ihre Masterarbeit zur Rezeption brasilianischer Literatur im deutschsprachigen Raum führte sie zu einem bis dahin wenig beachteten Romanisten: dem österreichischen Ferdinand Wolf, Verfasser der ersten Geschichte der brasilianischen Literatur im 19. Jahrhundert. Diesem Fund widmete sie ihr Promotionsprojekt. Für ihre Dissertation forschte sie umfassend in Archiven in Österreich, Deutschland und Brasilien, um den ideologischen Rahmen von Wolfs Werk Le Brésil littéraire (1863) zu rekonstruieren. Die Studie wurde 2020 unter dem Titel Literaturgeschichte und Ideologie: Ferdinand Wolfs literaturpolitisches Projekt „Le Brésil littéraire“ (1863) im De Gruyter Verlag veröffentlicht.
Von 2021 bis 2023 förderte die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) ihr Postdoc-Projekt „Neuperspektivierungen nachkolonialer Theorie: Über Geschichte und Erkenntnis in der brasilianischen Literaturwissenschaft“ Im Zentrum stand die Frage, wie sich im Brasilien des 20. und 21. Jahrhunderts ein spezifisch postkolonialer Zugang zur Literatur herausbildete. Sie untersuchte dabei die kritischen Methoden von Mário de Andrade, Antonio Candido und Roberto Schwarz und analysierte, wie diese Denker die philologische Tradition und die deutsche dialektische Kritik aufgriffen, um vor dem Hintergrund der besonderen Dekolonisierungsprozesse Lateinamerikas einen eigenen, historisch-sozial fundierten Zugang zum literarischen Text zu entwickeln.
Gegenwärtig arbeitet Laura Gagliardi als wissenschaftliche Mitarbeiterin an ihrer Habilitation. Ein zentrales neues Forschungsprojekt widmet sich Leben und Werk des polnisch-jüdischen Germanisten Anatol Rosenfeld, der 1936 vor dem Nationalsozialismus nach Brasilien floh. Die enge Verbindung zu ihrer brasilianischen Alma Mater pflegt sie durch regelmäßige Lehraufenthalte: 2019, 2024 und 2025 war sie als Gastdozentin an der Universität von São Paulo (USP).